Akademischer Wandel: Deutsche meiden US-Unis, Amerikaner ziehen nach Deutschland
Ariane RosenowAkademischer Wandel: Deutsche meiden US-Unis, Amerikaner ziehen nach Deutschland
Deutsche Akademische Austauschprogramme erleben deutliche Verschiebungen bei Interesse und Abläufen
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) schließt sein Moskauer Büro sowie das German House for Research and Innovation. Dies folgt einem Beschluss des russischen Justizministeriums, das den DAAD zur "unerwünschten Organisation" erklärt hatte. Russische Bürger, die mit dem DAAD kooperieren, müssen nun mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.
Gleichzeitig lässt das Interesse deutscher Studierender an USA-Hochschulen nach. Die Bewerbungen deutscher Studierender und Doktorand:innen sind um etwa zehn Prozent zurückgegangen. DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee verwies auf einen größeren Trend und erklärte: "Es gibt derzeit viel Bewegung."
Der Rückgang des deutschen Interesses fällt mit Kürzungen in der USA-Klimaforschung zusammen. Seit der Amtszeit von Donald Trump hat politische Unsicherheit Projekte an Einrichtungen wie dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA bedroht. Kalifornien reagierte mit dem Gesetzentwurf SB 895, der eine staatliche Investition von 23 Milliarden Dollar vorsieht, um die Arbeit des JPL in der Raumfahrt- und Klimaforschung zu sichern. Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford und Princeton melden jedoch keine konkreten Auswirkungen auf ihre Drittmittel.
Während deutsche Studierende den USA den Rücken kehren, zieht es USA-Forschende in die entgegengesetzte Richtung. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft verzeichnen vermehrte Anfragen von Wissenschaftler:innen aus den USA. Auch die Bewerbungen für DAAD-Stipendien für Masterstudiengänge in Deutschland haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.
Die Veränderungen spiegeln breitere geopolitische und finanzielle Zwänge wider. Der Rückzug des DAAD aus Russland bricht eine wichtige akademische Brücke zwischen beiden Ländern ab. In den USA treibt die reduzierte Klimaforschungsförderung Wissenschaftler:innen nach Europa, während deutsche Studierende zunehmend heimische oder alternative Studienziele wählen. Diese Verschiebungen prägen die akademische Mobilität und Zusammenarbeit über Kontinente hinweg neu.
