Alarmierende Studie: Fast jede:r zweite Jugendliche erlebt digitale sexualisierte Gewalt bis 25
Wieslaw JähnAlarmierende Studie: Fast jede:r zweite Jugendliche erlebt digitale sexualisierte Gewalt bis 25
Ein aktuelles Pilotprojekt in Thüringen hat den dringenden Bedarf an Präventionsarbeit gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen deutlich gemacht. Unter der Leitung von Yasmina Ramdani erreichte die Initiative Tausende Schüler:innen – doch Lehrkräfte berichten nach wie vor, sich mit dem Thema überfordert zu fühlen. Neue Daten zeigen nun, dass fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland noch vor ihrem 25. Lebensjahr von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen ist.
Zwischen 2020 und 2026 machte das Fehlen einheitlicher Erhebungen es schwierig, Entwicklungen bei digitaler sexualisierter Gewalt nachzuverfolgen. Doch im März 2026 lieferte die Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit alarmierende Zahlen: 64 Prozent der 5.855 befragten 14- bis 25-Jährigen hatten mindestens eine Form nicht-körperlicher sexualisierter Gewalt erlebt. Dazu zählte Cybergrooming – also die gezielte Ansprache von Minderjährigen in Chats durch Täter:innen – sowie die nicht einvernehmliche Weitergabe intimer Bilder, von der 24 Prozent der Befragten betroffen waren. Mädchen waren überproportional häufig betroffen, und viele Vorfälle gingen von Gleichaltrigen oder Schulchatgruppen aus.
Das dreijährige Projekt von Yasmina Ramdani sollte diese Lücke mit Präventionsworkshops schließen. Ihr Team arbeitete mit rund 5.000 Schüler:innen der fünften bis achten Klasse, um deren Erfahrungen zu bestätigen und sicheres Verhalten im Netz zu vermitteln. Trotz dieser Bemühungen fühlten sich Lehrkräfte angesichts des Ausmaßes des Problems oft überfordert – obwohl sie dessen Schwere erkannten.
Fachleute betonen, dass Prävention langfristig deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der Folgen digitaler sexualisierter Gewalt. Die Studie wies zudem darauf hin, dass das Verhalten und die Selbstreflexion der Eltern eine zentrale Rolle für sichere digitale Umfelder ihrer Kinder spielen.
Die Erhebung von 2026 bestätigt: Digitale sexualisierte Gewalt ist weit verbreitet – fast jede:r zweite junge Mensch ist bis zum 25. Lebensjahr betroffen. Präventionsprojekte wie das von Ramdani bieten konkrete Hilfe, doch Schulen und Familien brauchen dringend bessere Ressourcen, um das Problem wirksam anzugehen. Ohne weitere Maßnahmen werden die Risiken durch Cybergrooming, Bildmissbrauch und Gewalt unter Gleichaltrigen voraussichtlich bestehen bleiben.






