Deutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Wieslaw JähnDeutsche Unternehmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Obwohl die meisten deutschen Unternehmen die Bedeutung digitaler Souveränität anerkennen, haben nur wenige konkrete Schritte zu deren Umsetzung unternommen. Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI), herausgegeben von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, belegt, dass 92 Prozent der Firmen das Thema als Priorität einstuft – doch lediglich 21 Prozent verfügen über eine eigenständige Strategie dafür.
Die Untersuchung offenbart eine deutliche Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung. Zwar halten 92 Prozent der Unternehmen digitale Souveränität für wichtig, doch nur 21 Prozent haben einen konkreten Plan entwickelt. Stattdessen überlassen 46 Prozent die Thematik ihren IT-Abteilungen, wobei sich die meisten Maßnahmen auf Cloud-Dienste (72 Prozent) und Sicherheit (91 Prozent) konzentrieren.
Zudem zeigt sich eine starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI. Im Bereich Künstliche Intelligenz bewerten 63 Prozent ihre digitale Souveränität lediglich als "ausreichend". Dennoch wären 80 Prozent bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr.
Die Verantwortung für digitale Souveränität ist in den Unternehmen unterschiedlich verteilt: In 25 Prozent der Fälle obliegt sie dem Vorstand, in 13 Prozent ist sie in die Unternehmensstrategie eingebettet. Der aktuelle durchschnittliche Reifegrad liegt bei 65,8 Prozent, wobei die Firmen ein Ziel von 77,8 Prozent anstreben – ein Zeichen dafür, dass sie eine ausgewogene Unabhängigkeit anstreben, nicht aber vollständige Autarkie.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass viele Unternehmen die strategische Bedeutung digitaler Souveränität unterschätzen. Seine Aussagen unterstreichen die Notwendigkeit, über reine IT-Maßnahmen hinaus mehr Gewicht auf das Thema zu legen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass deutsche Unternehmen zwar den Wert digitaler Souveränität erkennen, die Umsetzung jedoch noch lückenhaft ist. Da die meisten Firmen von ausländischen Anbietern abhängig bleiben und nur wenige das Thema in ihre Gesamtstrategie integrieren, bleibt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen. Die Bereitschaft, für souveräne Lösungen mehr zu bezahlen, spricht jedoch für ein wachsendes Bewusstsein ihrer langfristigen Bedeutung.






