20 December 2025, 02:05

Die Wahrheit

Ein Mann mit langen Haaren singt in ein Mikrofon, während er eine Gitarre auf der Bühne spielt, mit Stangen und Dachlichtern darüber.

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Allgegenwärtig vor Weihnachten in Bayern: das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer beliebten Antisemiten Ludwig Thoma.

In ganz Bayern werden Straßen, Schulen und Kulturveranstaltungen noch immer nach Ludwig Thoma benannt – trotz seiner gut dokumentierten antisemitischen Schriften. Versuche, seinen Namen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, stoßen auf starken Widerstand, der oft mit Nostalgie für seine beliebten „Lausbubengeschichten“ begründet wird. Kritiker argumentieren, dass sein Erbe weiterhin gefeiert wird, obwohl seine Hassrede unbestritten ist.

Ludwig Thomass Antisemitismus ist in seinen Werken klar belegt, darunter auch in seinem Gedicht „Heilige Nacht“ von 1908. Veröffentlicht im „Miesbacher Anzeiger“, verspotten die Verse die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem mit derber Mundart und abwertenden Klischees. Dennoch bleibt das Gedicht ein fester Bestandteil der bayerischen Weihnachtstradition und wird jährlich in den beliebten Shows von Enrico de Paruta in München, Ingolstadt und Regensburg aufgeführt.

Bemühungen, Straßen mit Thomass Namen umzubenennen, scheiterten bisher regelmäßig. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter wies Forderungen nach Änderungen schroff zurück und erklärte: „Solange ich Oberbürgermeister bin, wird das nicht passieren.“ Ähnliche Initiativen in Oberbayern, vor allem von antifaschistischen und linken Gruppen vorangetrieben, blieben weitgehend erfolglos. Selbst wenn Historiker Thomass antisemitische Haltung bestätigen, handeln lokale Behörden nur selten. Das Problem beschränkt sich nicht auf Straßennamen: Viele Eltern haben keine andere Wahl, als ihre Kinder auf nach Thoma benannte Schulen zu schicken, da es kaum Alternativen gibt. Befürworter der Beibehaltung seines Namens verweisen oft auf die Zuneigung zu seinen humorvollen „Lausbubengeschichten“ und verharmlosen dabei die Schädlichkeit seiner vorurteilsbehafteten Texte.

Thomass antisemitische Werke tauchen weiterhin im öffentlichen Leben auf – von Weihnachtsaufführungen bis zu Straßenschildern. Trotz eines breiten Expertenkonsenses über seine Hetze bleibt der Widerstand gegen Veränderungen hartnäckig. Vorerst bleibt sein Name an Schulen, Straßen und Kulturprogrammen in ganz Bayern präsent.