Dortmunder Mieter kämpfen gegen Räumungsklagen bis Ende April
36 Haushalte im Dortmunder Stadtteil Innenstadt-Nord müssen bis zum 30. April ihre Wohnungen räumen. Der Vermieter, der Versicherungskonzern Volkswohl Bund, hat identische Kündigungen verschickt – mit der Begründung, fünf Mehrfamilienhäuser an der Adresse Am Kai 20–24 abreißen zu wollen. Mieter und Wohnungsrechtler zweifeln jedoch sowohl die Rechtmäßigkeit der Räumungen als auch die angeführten Gründe an.
Die Gebäude, die 2024 wegen baulicher Mängel als unsicher eingestuft wurden, stehen noch immer – Stand Februar 2026. Trotz des Abrissbeschlusses sind keine Arbeiten eingeleitet worden, sodass die Bewohner in Unsicherheit leben. Der Volkswohl Bund erklärt, eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht vertretbar, und plant stattdessen Neubauten an gleicher Stelle.
Einige Mieter sind bereits ausgezogen; Gerüchten zufolge hat der Vermieter finanzielle Anreize geboten. Andere, wie die 90-jährige Lieselotte Höber, stehen vor der schwierigen Aufgabe, nach Jahrzehnten an ihrem Wohnort umzuziehen. Höber, die seit Jahren in ihrer Wohnung lebt, hat die Kündigung zwar akzeptiert, gibt aber zu, dass der Umzug in ihrem Alter eine Überforderung darstellt.
Kritiker halten den Abriss für unnötig. Der Deutsche Mieterbund weist die Kostenargumente des Volkswohl Bunds als haltlos zurück und verweist darauf, dass das Unternehmen andere, benachbarte Gebäude saniert statt abzureißen. Der Dortmunder Stadtplanungschef erklärte, rechtliche Mittel gegen den Abriss seien kaum vorhanden – viele Mieter fühlen sich von der Kommunalpolitik im Stich gelassen.
Öffentliche Proteste hatten einst Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt, doch die Unterstützung ist geschwunden. Nur eine kleine Solidaritätsgruppe hält die Thematik noch präsent, während sich die meisten Bewohner auf den Auszug vorbereiten.
Die fünf Häuser Am Kai 20–24 stehen zwar noch, doch bis Ende April müssen alle Mieter sie verlassen. Mit ausgeschöpften Rechtsmitteln und geringer politischer Rückendeckung scheint ihre Vertreibung unvermeidbar. Der Konflikt verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen Wohnraumerhalt und städtischer Neugestaltung im Dortmunder Stadtkern.
