Evoniks Methionin-Sparte kämpft gegen chinesische Überproduktion und sinkende Gewinne
Wieslaw JähnEvoniks Methionin-Sparte kämpft gegen chinesische Überproduktion und sinkende Gewinne
Evoniks Methionin-Sparte unter Druck durch chinesische Überkapazitäten
Das Methionin-Geschäft von Evonik, ein zentraler Gewinnträger des Konzerns, steht vor ernsten Herausforderungen durch Überkapazitäten in China. Der deutsche Chemiekonzern hat sich lange auf diese für Tierfutter essenzielle Aminosäure verlassen, doch die steigende Produktion in China bedroht nun seine Marktführerschaft. Anleger zeigen sich zunehmend besorgt, da Analysten vor sinkenden Preisen und schwächeren Erträgen warnen.
Chinas rasante Ausweitung der Methionin-Produktion wird die globalen Märkte durcheinanderwirbeln. Bis Anfang der 2030er Jahre werden chinesische Unternehmen die Kapazitäten um 1,5 Millionen Tonnen erhöhen – ein Anstieg von 50 Prozent weltweit. Diese Expansion übersteigt den heimischen Bedarf bei Weitem: Die Produktion liegt bereits jetzt 2,5-mal höher als der chinesische Markt aufnehmen kann. Die Überversorgung wird voraussichtlich zu Preisdruck führen, nachdem es 2021 und 2022 noch deutliche Steigerungen gab. Aktuelle Daten zeigen, dass sieben von zehn wichtigen Preisindikatoren bereits rückläufig sind.
Die Analysten sind zunehmend zurückhaltend. Am 7. Januar stufte die Berenberg Bank Evonik auf "Verkaufen" herab und senkte das Kursziel drastisch von 14,60 Euro auf 11,60 Euro. Als Begründung nannte die Bank grundlegende Risiken im Geschäftsmodell, insbesondere in der Methionin-Sparte, die im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro zum bereinigten EBITDA beitrug. Andere Institute wie die Deutsche Bank, UBS und Barclays behalten zwar die Einstufung "Neutral" (Equal Weight) bei, doch die Skepsis bleibt.
Auch die hohe Bewertung von Evonik gibt Anlass zur Kritik. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 63 stellt sich die Frage, ob die Aktie überteuert ist. Analysten prognostizieren nun, dass das operative Ergebnis (EBITDA) für 2026 und 2027 deutlich unter den Markterwartungen liegen wird. Für 2027 wird ein Wert von 1,77 Milliarden Euro erwartet – ganze 10 Prozent niedriger als die Konsensschätzungen. Einige Experten fordern drastische Maßnahmen der Unternehmensführung, etwa eine Zerschlagung des Konzerns, um Aktionärswert freizusetzen.
Die Herausforderungen sind klar: Evonik muss sich gegen die Flut chinesischer Angebote behaupten und gleichzeitig die Margen im Methionin-Geschäft verteidigen. Angesichts sinkender Gewinnprognosen und Forderungen nach strategischen Weichenstellungen werden die nächsten Schritte des Konzerns genau beobachtet. Die Aktionäre warten gespannt, wie das Management auf den wachsenden Druck reagiert.
