Frankfurter Buchmesse überrascht mit Raketen, Torpedos und Schützengraben-Küche
Uta PatbergFrankfurter Buchmesse überrascht mit Raketen, Torpedos und Schützengraben-Küche
Die diesjährige Frankfurter Buchmesse zeigt eine ungewöhnliche Wendung – mit Militär- und Weltraumthemen, die die gesamte Veranstaltung prägen. Ein riesiger Raketenprototyp beherrscht nun den zentralen Agora-Innenhof, während Verlage Kriegsrelikte und futuristische Modelle präsentieren. Trotz der finanziellen Krisenstimmung in der Branche kommen Besucher über Ethik, Science-Fiction und vieles mehr ins Gespräch.
Das auffälligste Ausstellungsstück in diesem Jahr ist eine gewaltige Rakete, die auf einem Lkw in der Agora aufgestellt wurde. Ihr plötzliches Erscheinen sorgt für Verwunderung, doch die Veranstalter betonen, es handele sich um ein rein pädagogisches Projekt: Ein Space-Shuttle-Modell, das Kinder für die Raumfahrt begeistern soll. Keine Gruppe hat sich offiziell zu der Installation bekannt, und ihr genauer Zweck bleibt über die angegebene Bildungsfunktion hinaus unklar.
Abseits des Innenhofs zieht ein kleiner Verlag mit einem ungewöhnlichen Exponat die Blicke auf sich: ein "Maiale" – ein italienisches Marine-Torpedo aus dem Zweiten Weltkrieg, das als Bezug zu einem Roman über einen Faschisten und einen spanischen Buchhändler dient. Unterdessen wurde in einem Hotel in Sachsenhausen der Frühstücksraum in eine Ausstellung mit Lego-Raumschiffen aus Star Wars und schwerem Kriegsgerät verwandelt – eine skurrile Mischung aus Fantasie und Militärgeschichte.
Sogar das kulinarische Angebot folgt dem Kriegsthema: Der österreichische Pavillon serviert statt des üblichen Schnitzels Kartoffelsuppe und spiegelt damit den Trend zu "Schützengraben-Küche" wider. Die Gespräche der Besucher reichen von Arbeitsethos und Korruption bis hin zu Debatten über den Begriff "charakterschwach" – mal auf Politiker wie Markus Söder bezogen, mal scherzhaft auf Essgewohnheiten gemünzt.
Die Mischung aus Weltraumexponaten, Kriegsrelikten und thematischem Essen verleiht der Messe eine einzigartige Atmosphäre. Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche diskutieren die Besucher weiter über Compliance, Machtverhältnisse und Moral. Mit ihrer Verbindung von Bildung, Geschichte und Popkultur sorgt die Veranstaltung dafür, dass die Gespräche weit über die Buchseiten hinausgehen.
