04 January 2026, 16:39

Gerettete Dörfer verkaufen erste Häuser – doch wer profitiert wirklich?

Ein Wohngebiet mit Häusern, Gebäuden, Pflanzen, Bäumen und Gras auf dem Boden.

Gerettete Dörfer verkaufen erste Häuser – doch wer profitiert wirklich?

Fünf Dörfer im Osten Deutschlands sollten einst dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen und wären beinahe abgerissen worden. Nun sind sie gerettet – und die ersten 25 Häuser in diesen verlassenen Ortschaften stehen zum Verkauf. Der Schritt ist das Ergebnis jahrelanger Kampagnen von Aktivist:innen, doch Fragen zur Geschwindigkeit und Gerechtigkeit der Wiederbelebung bleiben bestehen.

Die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath standen kurz davor, von der Landkarte zu verschwinden. Die meisten Bewohner:innen hatten ihre Immobilien bereits an den Energiekonzern RWE verkauft und die Gegend verlassen, sodass nur noch wenige Hartnäckige in einer Geisterlandschaft zurückblieben. Nach massivem Druck von Gruppen wie der Grünen Liga, dem Verein Dörfer retten und Unterstützer:innen der Europäischen Grünen wurden die Dörfer 2023 vor dem Abriss bewahrt.

Seither hat das Land Mittel für ihre Wiederbelebung bereitgestellt. Doch sichtbar hat sich kaum etwas verändert – keine Sanierungen, keine Neubebauung, kein klarer Fahrplan für die Zukunft. Der lokale Aktivist David Dresen begrüßt zwar RWEs Entscheidung, die Häuser zu verkaufen, kritisiert aber das zögerliche Tempo und die mangelnde Transparenz. Die nun angebotenen Objekte reichen von einem großen Bauernhof für 325.000 Euro bis zu einem doppelhaushälfteartigen Haus in sanierungsbedürftigem Zustand für 97.000 Euro. Dresen fordert, dass die Immobilien Menschen zugutekommen sollten, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind – und nicht Käufer:innen, die sich hier eine zukünftige Seenlandschaft als Rückzugsort erhoffen. Die Immobilienanzeigen preisen zwar „strahlende Aussichten“ an, doch Umweltbedenken begleiten die langfristigen Pläne für die Region, darunter ein geplanter künstlicher See. Selbst im optimistischsten Szenario könnten die ersten Häuser am Seeufer erst 2076 bezugsfertig sein. Unterdessen drängen Öko-Aktivist:innen auf sozio-ökologische Projekte, um die Dörfer neu zu gestalten – erste Ansätze gibt es bereits in Orten wie Lügde.

Der Verkauf dieser 25 Häuser markiert einen kleinen Schritt in der ungewissen Wiedergeburt der Dörfer. Zwar sind Gelder vorhanden, doch Verzögerungen und das Fehlen einer echten Bürgerbeteiligung werfen Fragen über den Prozess auf. Fürs Erste bleibt die Zukunft dieser einst zum Untergang verurteilten Siedlungen sowohl Versprechen als auch Fragezeichen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones