GTime verteidigt ungewöhnliches Gehaltsmodell für seinen Videoeditor – und entfacht eine Branchen-Debatte
Edeltrud WagnerGTime verteidigt ungewöhnliches Gehaltsmodell für seinen Videoeditor – und entfacht eine Branchen-Debatte
In der deutschen Streaming- und YouTube-Szene ist die hitzige Debatte über die Bezahlung von Videoeditoren erneut aufgeflammt. Ausgelöst wurde die Diskussion, als der Twitch-Star GTime das ungewöhnliche Gehaltsmodell für seinen Editor verteidigte. Gleichzeitig sind die Löhne für Videobearbeiter in der Branche in den letzten fünf Jahren stark gestiegen.
Der Streit begann, als GTime den Kollegen gTasty kritisierte, der seine Bezahlstruktur als "dumm" bezeichnet hatte. GTimes Editor Enno erhält ein festes Monatsgehalt von 4.800 Euro brutto – plus die Hälfte der Einnahmen des YouTube-Kanals. GTime betont immer wieder Ennos Leidenschaft und langjährige Treue, um die Vereinbarung zu rechtfertigen.
Einige TikTok-Nutzer schlossen sich der Kritik an und hinterfragten, ob das Modell die geleistete Arbeit fair entlohnt. Andere, wie der YouTuber Papaplatte, sehen den Streit als Teil eines größeren Problems, das Content-Creator Geld kostet. Besonders die Bearbeitung von "Reaction"-Inhalten ist dabei zum Zankapfel geworden.
Die Debatte ist nicht neu. Bereits 2023 hatten die Streamer Trymacs und Max Schradin zunächst eine Gehaltsobergrenze für Editoren gefordert, ruderten später aber zurück und entschuldigten sich. Ihr Sinneswandel zeigte, wie komplex die Frage fairer Bezahlung in einer rasant wachsenden Branche ist.
Hinter den Kulissen sind die Gehälter der Editoren deutlich gestiegen. Zwischen 2021 und 2026 kletterte das durchschnittliche Jahresbruttogehalt von 25.000–35.000 Euro auf 40.000–55.000 Euro. Treiber waren die Nachfrage von Plattformen wie Twitch und YouTube sowie die Inflation. Auch Standort und Beschäftigungsverhältnis spielen eine Rolle: Freiberufler in Städten wie Berlin oder München verdienen laut Berichten von StepStone, Kununu und GfK oft mehr als fest Angestellte.
GTimes eigener Erfolg basiert zu einem Teil auf der Unterstützung seines Teams. Mit wachsender Popularität steigt auch die Aufmerksamkeit dafür, wie er diejenigen belohnt, die im Hintergrund arbeiten.
Der Streit um die Editoren-Vergütung zeigt keine Anzeichen einer Beruhigung. Bei steigenden Löhnen und prominenten Creators, die ihre Modelle verteidigen, bleibt die Branche mit Fragen zu Fairness und Transparenz konfrontiert. GTimes Ansatz bleibt vorerst Gesprächsthema – sowohl wegen seiner Großzügigkeit als auch wegen seiner Kritiker.
