Indischer Stahlriese Jindal Steel will Thyssenkrupp-Stahlsparte übernehmen
Ariane RosenowIndischer Stahlriese Jindal Steel will Thyssenkrupp-Stahlsparte übernehmen
Indischer Stahlkonzern Jindal Steel legt unverbindliches Angebot für Thyssenkrupp-Stahlsparte vor
Der indische Stahlproduzent Jindal Steel hat ein unverbindliches Übernahmeangebot für die Stahlsparte von Thyssenkrupp vorgelegt. Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Konzern über die Zukunft seines angeschlagenen Stahlgeschäfts entscheidet. Sollte das Geschäft zustande kommen, könnte es die europäische Stahlindustrie neu prägen – mit Fokus auf grüne Produktion und Arbeitsplatzsicherheit.
Ursprünglich hatte Thyssenkrupp geplant, ein Joint Venture mit dem tschechischen Milliardär Daniel Křetínský zu bilden, der eine 50-Prozent-Beteiligung hätte übernehmen können. Doch das Angebot von Jindal Steel eröffnet nun eine alternative Lösung. Das indische Unternehmen, das zur Naveen-Jindal-Gruppe gehört, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 12 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 22 Prozent.
Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte begrüßte das Angebot und bezeichnete es als positives Signal. Die Eigentümer von Jindal haben zugesagt, in die Standorte zu investieren und die deutsche Mitbestimmungskultur zu achten. Auch die mächtige Industriegewerkschaft IG Metall unterstützt die Übernahme und verweist auf Vorteile für die Belegschaft.
Jindal Steel hat ehrgeizige Pläne für die Sparte skizziert: Das Unternehmen will das verzögerte DRI-Werk in Duisburg fertigstellen und mehr als 2 Milliarden Euro in neue Lichtbogenofen-Kapazitäten investieren. Ziel ist es, Thyssenkrupp Steel zum größten integrierten und klimafreundlichen Stahlproduzenten Europas zu machen. Der Thyssenkrupp-Vorstand wird das Angebot nun prüfen – mit besonderem Augenmerk auf finanzielle Stabilität, grüne Transformation und Arbeitsplatzgarantien.
Die Stahlsparte von Thyssenkrupp erzielte im Geschäftsjahr 2023/24 einen Umsatz von 10,7 Milliarden Euro bei einem bereinigten operativen Gewinn von 261 Millionen Euro. Jindal Steel, bereits ein bedeutender Akteur in Indien, Afrika und Australien, sieht in der Übernahme die Chance, seine globale Präsenz auszubauen und gleichzeitig das industrielle Erbe von Thyssenkrupp zu bewahren.
Nun muss der Thyssenkrupp-Vorstand entscheiden, ob das Angebot von Jindal Steel zu den langfristigen Zielen des Konzerns passt. Die Weichenstellung wird über die Zukunft tausender Arbeitsplätze und die Ausrichtung der europäischen Stahlbranche entscheiden. Eine endgültige Entscheidung wird nach einer detaillierten Prüfung der wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Angebots erwartet.






