24 March 2026, 02:19

Kunst gegen Politik: Warum Senftenbergs Theaterchef Daniel Ris gehen muss

Schwarz-weiß-Illustration einer großen Berliner Auditorium von 1912, begleitet von Text zur Beschreibung seines Layouts.

Kunst gegen Politik: Warum Senftenbergs Theaterchef Daniel Ris gehen muss

Die Neue Bühne Senftenberg steht wieder im regionalen Fokus – wie einst zu DDR-Zeiten. Doch diesmal liegt der Grund in einem unerwarteten Vertragsstreit um ihren künstlerischen Leiter, Daniel Ris. Sein bis 2027 laufender Fünfjahresvertrag wird von der Stadt Senftenberg und dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz nicht verlängert.

Die Entscheidung wirft Fragen auf: Manche bringen sie mit Ris' offener Art und seiner öffentlichen Positionierung gegen rechtsextreme Ideologien in Verbindung. Andere verweisen auf vage Vorwürfe wie Führungsdefizite und finanzielle Unregelmäßigkeiten – konkrete Anschuldigungen wurden jedoch nicht öffentlich gemacht.

Ris hatte die Leitung der Neuen Bühne mit einer klaren Vision übernommen. Unter seiner Ägide steigerte das Theater seine Eigenmittel und zog ein größeres Publikum an. Spektakuläre Saisoneröffnungen an historischen Orten wurden zu seinem Markenzeichen und halfen dem Haus, seine regionale Strahlkraft zurückzugewinnen.

Kürzlich zeigte sich dieser kreative Elan bei einer Veranstaltung in der Niederlausitz-Halle: Eine lebhafte Debatte über den Sport in der DDR mündete in ein unterhaltsames Bühnenprogramm. Besonders herausragend waren die Beiträge des polnischen Regisseurs Kajetan Skurski, dessen Texte zunächst nostalgisch begannen, um dann in beißende Satire überzugehen – mit Spitzen gegen die militarisierte Sportförderung und Andeutungen zu Doping-Skandalen. Der emotionale Höhepunkt des Abends war der Soloauftritt der Schauspielerin Catharina Struwe.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Vertragsverlängerung aus. Offizielle Begründungen nennen "Probleme in der Führung und Zusammenarbeit" sowie angebliche strukturelle Mängel und einen finanziellen Schaden von 250.000 Euro. Ris selbst zeigt sich frustriert, blickt aber bereits nach vorn: Er wird die vierte Spielzeit noch begleiten und parallel neue Wege suchen.

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Der zweite Teil der Veranstaltung setzte auf zugänglichere Themen wie Identität und Gemeinschaft – fernab politischer Extreme. Doch konkrete Reformen oder personelle Konsequenzen aus dem Konflikt haben Stadt und Landkreis bisher nicht angekündigt. Ungeklärt bleibt auch die Trennung von künstlerischer und kaufmännischer Leitung, die in offiziellen Stellungnahmen nicht thematisiert wird.

Künstlerisch blüht die Neue Bühne Senftenberg weiter auf, doch ihre Führung steht vor ungewisser Zukunft. Daniel Ris hinterlässt ein Erbe aus gestiegenen Zuschauerzahlen und mutigem Programm – doch die Gründe für seinen Abgang bleiben im Dunkeln. Ob strukturelle Veränderungen folgen, ist noch offen.

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