Neue Familienministerin in NRW: Verena Schäffer übernimmt Krisen-Ressort nach Pauls Rücktritt
Wieslaw JähnNeue Familienministerin in NRW: Verena Schäffer übernimmt Krisen-Ressort nach Pauls Rücktritt
Verena Schäffer hat das Amt der neuen Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration in Nordrhein-Westfalen übernommen. Sie löst Josefine Paul ab, die nach wachsender Kritik an ihrer Amtsführung zurückgetreten ist. Der Wechsel erfolgte nach Wochen des politischen Drucks und öffentlicher Debatten.
Josefine Paul gab ihr Amt auf, nachdem sie aus verschiedenen Richtungen scharfe Kritik einstecken musste. Besonders umstritten war ihr Umgang mit dem Messerangriff in Solingen im August 2024, bei dem drei Menschen getötet und mehrere verletzt wurden. Oppositionsabgeordnete warfen ihr vor, zu langsam zu kommunizieren und nach dem Vorfall nicht ausreichend transparent zu agieren.
Ein weiterer zentraler Streitpunkt war ihre geplante Kita-Reform. Der Gesetzentwurf sah ein "Kernzeitenmodell" vor, das die Anzahl qualifizierter Fachkräfte außerhalb der Hauptbetreuungszeiten reduzieren sollte. Kritiker, darunter der Paritätische Wohlfahrtsverband, warnten, dies würde die frühkindliche Bildung schwächen und vor allem kleinere Kitas – viele in ländlichen Regionen oder in Elterninitiative getragen – zur Schließung zwingen. Rund 6.000 Betreuungsplätze in etwa 480 Einrichtungen sollten davon betroffen sein. Die Opposition argumentierte zudem, der Plan stehe im Widerspruch zum neuen landesweiten Sprachförderprogramm für Vorschulkinder.
Paul begründete ihren Rücktritt mit der zunehmenden Polarisierung um ihre Person. Ihr Abgang fällt in die Zeit vor den Landtagswahlen im Mai 2027, bei denen die Kitaversorgung zu einem zentralen Wahlkampfthema werden dürfte. Verena Schäffer, Mitglied der Grünen, wurde am 27. Januar 2026 offiziell von Ministerpräsident Hendrik Wüst ernannt.
Die neue Ministerin übernimmt ein Ressort, das von Kontroversen und drängenden Herausforderungen geprägt ist. Schäffer muss nun die Kritik an der Kita-Reform angehen, die Integration von Geflüchteten vorantreiben und das Vertrauen in die Arbeit des Ministeriums wiederherstellen. Ihr Umgang mit diesen Themen wird die politische Landschaft im Vorfeld der nächsten Wahl maßgeblich prägen.
