17 January 2026, 13:39

NRW-Kita-Reform: Streit um unqualifizierte Betreuung in Randzeiten entbrannt

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer detaillierten Karte der westfälischen Geographie, das auf einer schwarzen Oberfläche ruht.

Wüst zeigt Bereitschaft für Kindergarten-Kompromiss nach scharfer Kritik - NRW-Kita-Reform: Streit um unqualifizierte Betreuung in Randzeiten entbrannt

Nordrhein-Westfalens geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) stößt auf massiven Widerstand von zentralen Akteuren. Das Kita-Bündnis NRW, ein Zusammenschluss freier Trägervereinigungen und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW), kritisiert den Entwurf scharf, weil er vorsehe, dass unqualifiziertes Personal Kinder in den Randzeiten betreuen könne. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zeigte sich indes gesprächsbereit und signalisierte Offenheit für die vorgebrachten Bedenken.

Der Reformvorschlag führt ein sogenanntes "Kernzeitenmodell“ ein, um dem Fachkräftemangel in Kitas entgegenzuwirken. Demnach könnten voll ausgebildete Fachkräfte vor allem in den Hauptbetreuungszeiten eingesetzt werden, während weniger qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Früh- und Spätdienste übernehmen könnten. Kritiker warnen jedoch, dass dieses Modell die pädagogische Qualität in der frühen Bildung gefährde und die Standards für die Jüngsten absenke.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband meldete schwere Vorbehalte an: Die geplanten Änderungen könnten zu einer Verschlechterung der Betreuungsqualität, zusätzlichem Bürokratieaufwand und unzureichender Finanzierung führen. Die Reform könnte mehr Probleme schaffen, als sie löse, heißt es. Wüst räumte die Sorgen zwar ein, betonte aber, dass angesichts knapper Haushaltsmittel nicht alle Forderungen erfüllt werden könnten.

Eltern zeigen sich verärgert über die bestehende Unzuverlässigkeit bei der Kitabetreuung – ein Problem, das Wüst nach eigenen Angaben nachvollziehen kann. Trotz des Widerstands soll die Reform noch vor Ende der Legislaturperiode verabschiedet werden. Eine Umsetzung der Neuerungen könnte allerdings frühestens zum Kita-Jahr 2027/28 vorgesehen sein.

Der Gesetzgebungsprozess stehe noch am Anfang, so Wüst, der sich zu weiteren Gesprächen bereit erklärte. Die Landesregierung beharrt darauf, dass das Ziel der Reform darin liege, die Planungssicherheit, Arbeitsbedingungen und finanzielle Flexibilität der Träger zu verbessern – ohne die Qualitätsstandards in der Frühpädagogik zu senken.

Der Kibiz-Entwurf wird nun das parlamentarische Verfahren durchlaufen, wobei Wüst zusagte, die Rückmeldungen freier Träger zu prüfen. Sollte die Reform beschlossen werden, treten die neuen Regeln erst 2027 in Kraft. Die Regierung versichert, die Änderungen könnten praktische Erfordernisse mit hochwertiger Betreuung in Einklang bringen – doch die Skepsis der Kritiker bleibt bestehen.

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