16 February 2026, 17:00

Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf: Politische Satire trifft auf Karnevalsstimmung

Ein Plakat für das Große Minstrel-Karneval von Oliver Scott, das einen Mann zeigt, der in der Mitte von einer Gruppe Menschen umgeben ist, mit verschiedenen Gegenständen auf einem Tisch davor und Text und Zahlen oben und unten.

So prächtig und politisch war der Karneval schon lange nicht mehr - Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf: Politische Satire trifft auf Karnevalsstimmung

Hunderttausende Feiernde haben die Straßen von Köln und Düsseldorf gefüllt, um an den traditionellen Rosenmontagszügen teilzunehmen. Die Feiern, ein zentraler Bestandteil des rheinischen Karnevals, verbinden ausgelassene Straßenfeste mit scharfer politischer Satire. Die Menge skandiert in Köln "Alaaf!" und in Düsseldorf "Helau!", während die aufwendig gestalteten Wagen durch die Städte rollen.

Die Rosenmontagszüge sind seit langem eine Tradition für die Einheimischen – ob sie als Mitglied eines Karnevalsvereins, als verkleidete Familie oder als spontane Gruppe mitfeiern. Die diesjährigen Wagen, das Herzstück der Veranstaltung, nehmen globale und nationale Themen mit ungewöhnlich direkter Kritik ins Visier.

In Köln wurde beim Umzug 2024 der ehemalige US-Präsident Donald Trump auf die Schippe genommen – dargestellt, wie er von Figuren wie Friedrich Merz, Emmanuel Macron und der NATO auf das Gesäß geküsst wird. Die rechtspopulistische AfD wurde als blaue Schlange karikiert, die das deutsche Nationalsymbol, den "Michel", erwürgt. Weitere Ziele der Spottattacken waren die politischen Auseinandersetzungen zwischen CDU-Chef Merz und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (beide in sadomasochistischen Kostümen), Grönlands politische Konflikte, künstliche Intelligenz und Rüstungspolitik. Ein Wagen zeigte zudem Solidarität mit dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly, der in Russland wegen seiner Putin-Satire verfolgt wird, begleitet von Darstellungen, die ukrainische Hilfsorganisationen unterstützen.

Auch in Düsseldorf war der Zug mutig inszeniert: Wladimir Putin tauchte gleich dreimal auf – am Steuer einer AfD-Drohne, wie er gemeinsam mit Trump Europa verschlingt, und wie er von Hoppeditz, der Düsseldorfer Karnevalsfigur, aufgespießt wird, die sich zur Wehr setzt. Weitere Wagen kritisierten das iranische Mullah-Regime, zeigten die dämonische Auferstehung Jeffrey Epsteins oder karikierten Merz und Markus Söder, die ein mit fossilen Brennstoffen betriebenes Dinosaurier-Auto steuern.

Jeder Wagen ist das Ergebnis monatelanger, akribischer Handarbeit, bei der jeder Witz sitzen und jeder Verweis beim Publikum ankommen soll. Die Umzüge verbinden wie immer Tradition mit beißendem Spott und verwandeln die Straßen in eine Bühne für politische Kritik.

Die Rosenmontagszüge haben erneut riesige Menschenmengen zusammengeführt – eine Mischung aus Feierlaune und scharfsinnigem Kommentar. Die Wagen mit ihrer frechen und direkten Satire nahmen alles ins Visier, von internationalen Konflikten bis hin zu innerdeutschen politischen Streitigkeiten. Während die Feiern weitergehen, bleibt die Veranstaltung ein prägender Höhepunkt im rheinischen Karnevalskalender.

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