Studienförderung bricht ein: Nur noch 15 Prozent erhalten staatliche Hilfe
Edeltrud WagnerStudie: Nachfrage nach staatlicher Studienfinanzierung sinkt weiter - Studienförderung bricht ein: Nur noch 15 Prozent erhalten staatliche Hilfe
Deutschlands bundesregierung steckt in einer sich verschärfenden Krise – das belegt eine aktuelle Studie. Wie aus einem im Januar 2026 veröffentlichten Bericht des CHE Centrum für Hochschulentwicklung hervorgeht, ist die Zahl der Studierenden, die 2024 finanzielle Unterstützung erhielten, drastisch gesunken. Experten warnen: Ohne grundlegende Reformen könnte sich die Lage für Zehntausende Studierende im Land weiter verschärfen.
2024 erhielten nur noch 15,1 Prozent der Studierenden in Deutschland staatliche Förderung – ein Rückgang um 1,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Die mit Abstand wichtigste Hilfe, das BAföG, erreichte gerade einmal 326.000 Studierende (11,4 Prozent). Noch geringer war die Nachfrage nach staatlich geförderten Krediten: Lediglich 44.000 Studierende (1,4 Prozent) griffen darauf zurück.
Stipendien boten zwar etwas Entlastung, blieben aber eine Nischenlösung. Rund 69.000 Studierende (2,4 Prozent) profitierten von solchen Programmen – einzig das Deutschlandstipendium verzeichnete einen leichten Anstieg. In einigen Regionen, etwa in Thüringen, dominierte dagegen private Finanzierung: Neun von zehn Studierenden waren dort auf eigenes oder familiäres Vermögen angewiesen.
Ulrich Müller vom CHE kritisierte das System scharf: Es zwinge Studierende in prekäre finanzielle Verhältnisse und hindere viele daran, sich voll auf ihr Studium zu konzentrieren. Ohne schnelle Gegenmaßnahmen drohten laut Bericht längere Studienzeiten, eingeschränkte Studienwahlmöglichkeiten und höhere Abbrecherquoten.
Die Ergebnisse des CHE zeigen ein System am Limit, das den Bedürfnissen der Studierenden nicht mehr gerecht wird. Da weniger als ein Sechstel der Studierenden staatliche Hilfe erhält, könnte der finanzielle Druck die Hochschullandschaft in Deutschland nachhaltig verändern. Die Forderung nach Reformen wird immer dringlicher: Gefragt sind stabile, zugängliche Fördermodelle, bevor sich die Krise weiter verschärft.
