22 January 2026, 10:38

Virtuelle Fahrstreifen: Wie Algorithmen den Lieferverkehr in Städten entlasten sollen

Ein detaillierter Lageplan der Routenintelligenz-Überblatt C, der Straßen, Autobahnen und Text mit Informationen über Städte und Ortschaften entlang der Route zeigt.

Virtuelle Fahrstreifen: Wie Algorithmen den Lieferverkehr in Städten entlasten sollen

ViDeLL: Neues Projekt soll wachsenden Güterverkehr in Städten bewältigen

Unter der Leitung des Lehrstuhls Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen hat ein neues Projekt mit dem Namen ViDeLL seine Arbeit aufgenommen, um die zunehmende Belastung durch Lieferverkehr in urbanen Räumen zu entschärfen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie "virtuelle Fahrstreifen" automatisierten Logistikfahrzeugen helfen könnten, effizienter durch den Stadtverkehr zu navigieren. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Experten vor einer Verschärfung der Staus durch den steigenden Warentransport warnen.

Das ViDeLL-Projekt entwickelt ein Verkehrssystem, in dem Logistikfahrzeugen dynamisch virtuelle Spuren zugewiesen werden. Statt teure physische Sonderfahrstreifen zu bauen, setzt das Team auf Algorithmen, die diese Räume in Echtzeit anhand von Verkehrsdaten verwalten. Der Fokus liegt dabei auf der urbanen "Last Mile" bei Lieferungen, dem Einzelhandelslogistikverkehr sowie dem industriellen Transport zwischen innerstädtischen Produktionsstandorten.

Virtuelle Lösungen bieten eine kostengünstige Alternative zu festen Infrastrukturmaßnahmen. Ziel des Projekts ist es, ein rechtlich tragfähiges, technisch umsetzbares und wirtschaftlich sinnvolles Rahmenwerk zu schaffen. Die Forscher untersuchen zudem, wie automatisierte Logistikfahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern interagieren, und erarbeiten Sicherheitsrichtlinien. Nach der Konzeptionsphase folgt eine Machbarkeitsstudie. Das Team wird regulatorische Hürden analysieren, politische Anpassungen vorschlagen und die Praxistauglichkeit des Systems testen. Die Finanzierung stammt von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens und der EU, während die konsortialführende Stelle bisher nicht genannt wurde.

Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, betont die Dringlichkeit des Themas: Ohne Gegenmaßnahmen drohe der wachsende Güterverkehr die innerstädtischen Straßen an den Rand des Kollapses zu bringen. Das Projekt setzt dabei auf flexible Infrastrukturansätze – nicht auf die Optimierung von Liefergeschwindigkeiten oder die Integration von Elektrofahrzeugen.

Bei Erfolg könnte ViDeLL die Art und Weise revolutionieren, wie Städte den Logistikverkehr bewältigen. Das System virtueller Spuren würde auf Echtzeitdaten und adaptive Algorithmen setzen – statt auf kostspielige Neubauten. Die Ergebnisse könnten künftige Richtlinien für automatisierten Verkehr in urbanen Räumen prägen.

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