23 December 2025, 08:42

Von Durchstreichen zur Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Das Innere einer Kirche mit sitzenden Menschen und Kerzen davor, mit weißen Wänden und Dach.

Von Durchstreichen zur Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Von Durchstreichungen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel gelangtenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gemeinde wurde in der Evangelischen Kirche erst 1975 erreicht.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat in den vergangenen Jahrzehnten einen stetigen Wandel der Geschlechterrollen erlebt. Heute sind genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Solinger Kirchenkreis Frauen – ein deutlicher Kontrast zu den Zeiten, in denen weibliche Geistliche auf offenen Widerstand stießen. Der Wandel spiegelt eine breitere Akzeptanz wider, doch der Weg dazu begann lange vor der rechtlichen Gleichstellung im Jahr 1975.

1967 erhielt Gisela Vogel, heute 87 Jahre alt, einen Brief mit der Anrede „Liebe Frau Vogel“ statt des üblichen „Lieber Bruder Vogel“. Dieser kleine, aber bedeutende Moment markierte die frühen Herausforderungen für Frauen, die in pastorale Ämter streben wollten. Vogel wurde später die erste Oberkirchenrätin im Rheinland und arbeitete in einem Gremium mit zwanzig Männern.

Die rechtliche Gleichstellung für Frauen im Pfarramt kam 1975, doch der kulturelle Wandel dauerte länger. Dr. Ilka Werner, heutige Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, erlebte noch Skepsis, ob Frauen Gemeinden leiten oder Theologie lehren könnten. Dennoch schrieb sie kürzlich Geschichte: Als erste Frau wurde sie zur Oberkirchenrätin in der Evangelischen Kirche im Rheinland berufen. Für jüngere Pfarrerinnen wie die 39-jährige Raphaela Demski-Galla ist Gleichberechtigung in der Kirche längst Normalität. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der Frauen in pastoralen Rollen nichts Ungewöhnliches mehr waren. Heute fördert die Kirche aktiv Vielfalt – nicht nur in Bezug auf Geschlecht, sondern auch auf Lebenserfahrungen und Identitäten –, denn diese ist essenziell für ihren Auftrag.

Der Solinger Kirchenkreis selbst steht für diesen Fortschritt: 13 der 26 Pfarrer:innen sind Frauen. Doch dieser Wandel war kein Automatismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Frauen vorübergehend pastorale Aufgaben übernommen, wurden aber wieder verdrängt, als die Männer zurückkehrten. Jahrzehnte später hat sich das Blatt endlich gewendet.

Inzwischen sind Frauen auf allen Ebenen der Kirchenführung vertreten – von lokalen Gemeinden bis hin zu leitenden Positionen. Die rechtliche Gleichstellung ebnete den Weg, doch das beharrliche Engagement von Pfarrerinnen wie Vogel, Werner und Demski-Galla machte aus Theorie Praxis. Heute wird Vielfalt im Klerus nicht nur akzeptiert, sondern als unverzichtbar für die Zukunft der Kirche angesehen.

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