Warendorf beharrt auf umstrittenen Straßennamen trotz NS-Vorwürfen
Stadt Warendorf behält umstrittene Straßennamen bei
Der Stadtrat von Warendorf hat beschlossen, drei umstrittene Straßennamen trotz Forderungen nach einer Umbenennung beizubehalten. Eine Bürgerkommission hatte empfohlen, die Namen wegen mutmaßlicher historischer Verbindungen zur NS-Zeit zu ändern. Der Rat lehnte den Vorschlag jedoch mit Verweis auf finanzielle und administrative Bedenken ab.
Betroffen sind die Wagenfeldstraße, der Agnes-Miegel-Weg und die Heinrich-Tenhumberg-Straße. Kritiker werfen der Stadt vor, damit sowohl die Arbeit der Kommission als auch die öffentliche Meinung in der Sache zu ignorieren.
Die Debatte war entfacht worden, als eine Bürgerinitiative die Umbenennung der Straßen forderte – mit der Begründung, die Namensgeber stünden in Verbindung zum Nationalsozialismus. Zwar unterstützte ein lokales Gremium die Idee, doch der Stadtrat lehnte sie letztlich ab. In der endgültigen Abstimmung betonten die Mitglieder stattdessen die Kosten und praktischen Aspekte.
Allein der Austausch der Straßenschilder hätte schätzungsweise 5.700 Euro gekostet. Ratsmitglied André Wenning verteidigte die Entscheidung und argumentierte, die Meinung der Anwohner habe mehr Gewicht als externe Empfehlungen. Die Mehrheit der Bürger lehne die Änderungen ab, was letztlich den Ausschlag gegeben habe.
Auch alternative Vorschläge – etwa der Ersatz eines Zitats von Agnes Miegel am Rathaus durch einen Spruch des Warendorfer Autors Paul Schallück – wurden abgelehnt. Der Rat beschloss, Miegels Zitat sowie die bestehenden Straßennamen unverändert zu lassen. Reinhold Schoppmann, Mitglied des Bürgerbündnisses, kritisierte das Ergebnis scharf: Die Arbeit der Kommission sei komplett ignoriert worden.
Wie viele Straßen die Initiative ursprünglich zur Umbenennung vorgeschlagen hatte, blieb unklar. Die Ratsmehrheit konzentrierte sich darauf, unnötige Ausgaben und bürokratischen Aufwand zu vermeiden – und beließ die Namen vorerst unverändert.
Die drei Straßen behalten damit ihre aktuellen Bezeichnungen, und die Tafel mit Miegels Zitat bleibt am Rathaus. Die Entscheidung des Rates stützte sich vor allem auf Haushaltszwänge und die Rückmeldungen der Bürger, weniger auf historische Bedenken. Da keine weiteren Kompromisse akzeptiert wurden, scheint die Angelegenheit – zumindest vorläufig – erledigt.






