Warum Stiefväter im September ihren eigenen Feiertag verdienen – und trotzdem unsichtbar bleiben
Uta PatbergWarum Stiefväter im September ihren eigenen Feiertag verdienen – und trotzdem unsichtbar bleiben
Stiefväter kämpfen oft einen schwierigen Kampf um Anerkennung und Respekt. Während in den USA jedes Jahr im September der 'National Stiefvater’s Day' begangen wird, drängen Popkultur und Medien sie weiterhin an den Rand. Ob in Sitcoms oder Märchen – ihre Rolle wird häufig verspottet, ignoriert oder in ein negatives Licht gerückt.
In Deutschland reduziert etwa die ZDF-Sitcom 'Ich heirate eine Familie' den Stiefvater zur bloßen komischen Nebenfigur. Statt ihm Tiefe zu verleihen, wird er als überflüssiges Anhängsel dargestellt – und damit das Klischee bedient, Stiefväter seien weniger bedeutend. Dieses Muster ist kein deutsches Phänomen: Auch Hollywood inszeniert Väter und Stiefväter oft als Schurken oder defizitäre Gestalten.
Während religiös-patriarchale Traditionen und Märchen Stiefmütter seit jeher dämonisieren, kommt es für Stiefväter kaum besser. Selbst in der Pornografie werden Stiefmütter als verführerische Klischeefiguren stilisiert, während Stiefväter entweder fehlen oder lächerlich gemacht werden. Doch im echten Leben springen viele Stiefväter ein, wenn leibliche Väter sich – aus Desinteresse oder Egoismus – zurückziehen. Statistisch gesehen müsste es in heteronormativen Familienstrukturen sogar mehr Stiefväter als Stiefmütter geben. Dennoch bleiben ihre Leistungen oft unsichtbar. Die USA versuchen mit dem 'National Stiefvater’s Day' (dritter Freitag im September) und dem 'National Stiefelfamilientag' (16. September) gegenzusteuern. Doch diese Aktionstage fristen im Vergleich zu den dominierenden kulturellen Erzählungen ein Schattendasein.
Die Kluft zwischen realen Stiefvätern und ihrem medialen Bild bleibt groß. Während viele aus Notwendigkeit Verantwortung übernehmen, hängen Film, Fernsehen und Folklore alten Vorurteilen nach. Solange sich die Erzählungen nicht ändern, werden die Herausforderungen und der Wert von Stiefvätern wohl weiter übersehen.
