Wasserstoff-Offensive in Deutschland scheitert an Bürokratie und hohen Kosten
Ariane RosenowWasserstoff-Offensive in Deutschland scheitert an Bürokratie und hohen Kosten
Deutschlands Wasserstoff- und Erneuerbare-Gase-Offensive stockt massiv
Laut dem aktuellen Gasbilanz 2025-Report erleidet Deutschlands Vorstoß für Wasserstoff und erneuerbare Gase erhebliche Rückschläge. Die auf der Energiefachmesse E-world energy & water in Essen vorgestellte Studie zeigt Verzögerungen bei Wasserstoffprojekten und eine gebremste Ausbaugeschwindigkeit. Gleichzeitig steigt der Gasverbrauch wieder an – eine zusätzliche Hürde für die Energiewende.
Besonders alarmierend ist der drastische Rückgang der geplanten Wasserstoffkapazitäten. Anfang 2024 wurden noch über 11 Gigawatt (GW) an Elektrolyseprojekten bis 2030 erwartet. Bis 2025 schrumpfte diese Prognose auf 7,2 GW. Stand Anfang 2026 sind nun nur noch 1,485 GW in der Pipeline – davon 185 Megawatt (MW) bereits in Betrieb und 1,3 GW im Bau. Das 10-GW-Ziel für 2030 erscheint damit kaum noch erreichbar.
Hohe Stromkosten, unklare regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende langfristige Abnahmeverträge haben viele Vorhaben zum Stillstand gebracht, manche wurden ganz aufgegeben. Trotz dieser Hindernisse wurden 2025 immerhin 525 Kilometer Wasserstoffleitungen fertiggestellt – der Grundstein für das geplante Wasserstoff-Kernnetz Deutschlands.
Biomethan gewinnt an Bedeutung Als erneuerbare Alternative verzeichnet Biomethan Zuwächse: 2025 wurden 11,5 Terrawattstunden (TWh) ins Gasnetz eingespeist. Der Großteil dient der Wärmeversorgung, doch auch Industrie, Stromerzeugung und Verkehr setzen zunehmend auf den klimaneutralen Brennstoff. Doch die EU-Gas- und Wasserstoffmarktregeln bleiben vage – vor allem bei Netzzugang, Massenbilanzierung und Zertifizierung. Diese Unsicherheiten bremsen das weitere Wachstum aus.
Gasnachfrage steigt – Klimabilanz leidet Der Gasverbrauch selbst legte 2025 um 3 Prozent auf 835 TWh zu, sein Anteil am Primärenergieverbrauch stieg von 25,9 auf 26,9 Prozent. Zwar stoßen Gaskraftwerke mit 392 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde weniger aus als Kohlekraftwerke, doch bleibt Deutschlands Stromsektor im Vergleich zu Ländern mit fortgeschrittenerem Kohleausstieg deutlich klimaschädlicher.
Warnung vor Risiken durch den Kohleausstieg Die Studie verweist zudem auf Gefahren durch den geplanten Ausstieg aus der Kohle, der über 30 GW gesicherter Leistung vom Netz nehmen wird. Die von der Bundesregierung beschlossene Kraftwerksstrategie müsse zügig umgesetzt werden, um Netzinstabilitäten zu vermeiden.
Fazit: Energiewende in der Zwickmühle Deutschlands Wasserstoffausbau hinkt den Plänen weit hinterher, nur ein Bruchteil der vorgesehenen Kapazitäten kommt voran. Gleichzeitig steigt der Gasverbrauch, und das Biomethan-Wachstum wird durch regulatorische Lücken ausgebremst. Ohne beschleunigten Fortschritt bei Wasserstoff und erneuerbaren Gasen drohen der Energiewende weitere Verzögerungen.
