Wie 20 Frauen 1973 mit einem Streik die Arbeitswelt veränderten
Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen historischen Streik aus. Ihre Forderung war einfach: eine Lohnerhöhung um eine Mark. Was mit nur 20 Arbeiterinnen begann, entwickelte sich schnell zu einer Bewegung, die die Arbeitsrechte in Deutschland nachhaltig prägte.
Das Pierburg-Werk beschäftigte vor allem Frauen, darunter viele Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern. Sie wurden nach dem Tarif der „leichten Arbeitsgruppe 2“ eingestuft – einer Lohngruppe für Tätigkeiten, die angeblich nur geringe körperliche Anstrengung erforderten. Am 13. August 1973 verteilten etwa 20 Frauen am Werkstor Flugblätter und forderten faire Löhne.
Ihr Protest gewann schnell an Fahrt. Hunderte Arbeiter und Arbeiterinnen – Deutsche wie Migrantinnen, Männer wie Frauen – schlossen sich dem Streik an. Es war einer der ersten Fälle in Deutschland, in denen männliche Kollegen sich solidarisch mit streikenden Frauen zeigten. Selbst von außerhalb erhielt die Bewegung Unterstützung, etwa von Künstlern wie Joseph Beuys oder Arbeitern aus anderen Städten.
Nach Tagen des Drucks lenkten die Arbeitgeber ein. Am 17. August boten sie eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigten ein, den Tarif der „leichten Arbeitsgruppe 2“ abzuschaffen. Der Erfolg in Neuss wirkte wie ein Weckruf im ganzen Land und führte schließlich zur Abschaffung dieser Lohngruppe in ganz Deutschland.
Der Streik endete mit einem Sieg: Das Unternehmen erfüllte die zentralen Forderungen der Streikenden. Die Abschaffung des diskriminierenden Tarifs markierte einen dauerhaften Wandel für Arbeitnehmer in Deutschland. Was als kleiner Protest begonnen hatte, wurde zu einem Wendepunkt für faire Löhne und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.






