Wolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ taucht überraschend wieder auf
Wieslaw JähnWolfram Weimers vergessener Gedichtband „Kopfpilz“ taucht überraschend wieder auf
Ein längst vergessener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur in Deutschland ist wiederaufgetaucht. Wolfram Weimers Debütwerk "Kopfpilz" erschien 1986 im Münchner Verlag Edition Praesens. Das Buch, das heute kaum noch aufzutreiben ist, hat kürzlich Aufmerksamkeit erregt, nachdem Schriftsteller und Journalisten es online präsentiert hatten.
Die Gedichte darin sind roh und stilistisch ungleichmäßig. Manche behandeln Themen wie Sex, andere beschreiben Radtouren, wieder andere enthalten gewalttätige Bilder. Das Stück "Unglück" etwa schildert eine erschütternde Szene mit einer schwangeren Frau und einem Kind. Die schroffe Sprache und der wechselnde Tonfall heben den Band von den geschliffenen Werken etablierter Dichter ab.
Weimers frühes Schaffen fällt durch das Fehlen romantischer Einflüsse auf. Stattdessen nannte er Musiker wie Till Lindemann als Inspirationsquellen – ein Kontrast zu vielen jungen Autoren, die sich zu Beginn oft an literarischen Größen wie Goethe orientieren. Trotz seiner rauen Kanten entschied sich Weimer für die Veröffentlichung von "Kopfpilz" – obwohl er angeblich auch den Titel "Für mich" in Erwägung gezogen hatte.
Mit der Zeit geriet das Buch immer mehr in Vergessenheit. Heute dürften nur noch wenige Exemplare existieren. Im Mai teilte der Autor und Journalist Knut Cordsen auf Social Media Fotos von "Kopfpilz", verzichtete jedoch darauf, daraus zu zitieren. Kürzlich stießen die Moderatoren des Podcasts "Bohniger Wachmacher", Dax Werner und Moritz Hürtgen, auf den Band und trugen Auszüge daraus vor. Damit stellt sich auch die Frage nach dem künstlerischen Erbe: Während viele Schriftsteller verlangen, dass unveröffentlichte Entwürfe nach ihrem Tod vernichtet werden, bleibt "Kopfpilz" ein seltenes, erhaltenes Zeugnis von Weimers früher Stimme – eine, die heute mit seiner aktuellen öffentlichen Rolle kontrastiert.
Die Wiederentdeckung von "Kopfpilz" gewährt einen Einblick in Weimers prägende Jahre als Schriftsteller. Sein ungeschönter, kompromissloser Stil steht in scharfem Gegensatz zum gepflegten Image eines Regierungsmitglieds. Zwar ist der Band nach wie vor nicht im Handel erhältlich, doch sein plötzliches Auftauchen hat Debatten über künstlerische Entwicklung und die Beständigkeit früher Werke entfacht.
