Zwischen Ost und West: Eine Autorin kämpft mit den Narben der Wiedervereinigung
Edeltrud WagnerZwischen Ost und West: Eine Autorin kämpft mit den Narben der Wiedervereinigung
Eine Autorin hat ihre Erlebnisse beim Aufwachsen zwischen Ost- und Westdeutschland geteilt und zeigt damit auf, wie die Spannungen zwischen den beiden Teilen des Landes auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nachwirken. Ihre Geschichte handelt von familiärer Trennung, persönlicher Zurückweisung und Begegnungen mit Feindseligkeit – mal subtil, mal offen – gegenüber Ostdeutschen im wiedervereinigten Deutschland. Gleichzeitig schildert sie Bemühungen, die Gräben in ihrer Wahlheimat Hattingen zu überwinden.
Die 1945 geborene Schriftstellerin kam kurz nach ihrer Geburt in ein Kinderheim nach Wuppertal, wohin ihre auf Rügen lebende Mutter die Verlegung organisiert hatte. Erst vierzig Jahre später fanden die beiden in Bergen auf derselben Insel wieder zueinander.
Der Fall der Berliner Mauer brachte zwar neue Chancen, aber auch Rückschläge mit sich. Die Autorin bewarb sich um eine Lehrtätigkeit in Ostdeutschland – und wurde abgelehnt. Diese Absage ließ sie an der Tiefe der Integration zwischen den beiden ehemaligen Staaten zweifeln.
Feindseligkeiten zeigten sich auf unerwartete Weise. In einem ostdeutschen Restaurant begrüßte eine Fußmatte die Gäste mit den Worten: „Bewahre uns vor Sturm und Wind und Westdeutschen, die im Osten sind.“ Als sie und ihr italienischer Schwiegersohn dort auf kühle Distanz des Personals stießen, fühlte sich die Botschaft wie eine persönliche Abfuhr an. Der Vorfall spiegelte die größeren Spannungen wider, etwa die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans von Rot-Weiss Essen und Hansa Rostock. Selbst Fußballfans hatten Position bezogen: Schalke-Anhänger skandierten bei Spielen „Wir hassen die DDR“.
Doch in Hattingen gab es auch Momente der Einheit. Ein internationales Frauencafé und eine lokale Moschee entwickelten sich zu Orten, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft zueinanderfanden. Inspiriert von diesen Initiativen schlug die Autorin vor, in der Stadt eine Diskussions- oder Erzählrunde speziell für Ostdeutsche ins Leben zu rufen. Das Projekt sollte eine Plattform für gemeinsame Erfahrungen schaffen – besonders für diejenigen, die wie sie selbst die bleibenden Narben der Teilung tragen. Dazu gehörte auch der Suizid ihrer Mutter Jahre zuvor, der als schmerzhafte Erinnerung an diese Zeit blieb.
Das Leben der Autorin steht exemplarisch für die ungelösten Brüche der deutschen Wiedervereinigung. Von der Trennung in der Kindheit über berufliche Zurückweisungen bis hin zu öffentlichen Demütigungen zeigt ihre Geschichte, wie tief die Spaltung noch immer wirkt. Gleichzeitig machen basisdemokratische Projekte in Hattingen deutlich, dass Dialog möglich bleibt – auch wenn der Weg dorthin langsam und holprig ist. Die geplante ostdeutsche Gruppe könnte ein weiterer Schritt in diese Richtung sein.






