15 March 2026, 06:20

EU-Saatgutverordnung bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten in Deutschland

Ein Buch mit dem Titel "Maule's Seed Book: The Guide to Successful Gardening Vegetables, Flowers, and Farm Crops 1935" mit Bildern von Gemüse und Text auf dem Cover.

EU-Saatgutverordnung bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten in Deutschland

Ein geplanter EU-Saatgutverordnung wirft bei kleinen Erzeugern und Hobbygärtnern in ganz Deutschland Besorgnis auf. Die neuen Regeln, die derzeit verhandelt werden, könnten strenge Zertifizierungspflichten und hohe Gebühren für alle auferlegen, die Saatgut verkaufen oder tauschen. Kritiker warnen, dass seltene Pflanzensorten verschwinden könnten, wenn das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet wird.

Die Verhandlungen über die Verordnung begannen im Februar 2026 und umfassen die Europäische Kommission, das Parlament sowie den Rat der Mitgliedstaaten. Während das Parlament Ausnahmen fordert, um kleine Erzeuger zu schützen, setzt sich der Agrarrat der Minister für einen strengeren Ansatz mit scharfen Kontrollen ein.

In Düsseldorf fürchten viele kleine Saatgutbetriebe, dass die Änderungen ihre Existenz bedrohen könnten. Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, warnte, dass die finanziellen Belastungen durch die Zertifizierung manche zum Aufgeben zwingen könnten. Auch die Selbstversorgerin Anne Mommertz äußerte Bedenken, dass die biologische Vielfalt leiden werde, wenn traditionelle Sorten schwerer zu handeln sind.

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss ergreifen bereits Maßnahmen, um die Pflanzenvielfalt zu bewahren. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtete von großer Nachfrage nach dem kostenlosen Saatgutangebot der Bibliothek. Solche Initiativen ermöglichen es Gärtnern, seltene Sorten auszuleihen und anzubauen, die bei großen Handelsanbietern oft nicht erhältlich sind.

Ohne kleine Erzeuger könnten Hobbygärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industrieunternehmen angewiesen sein. Der Verlust von Nischenanbietern könnte die Vielfalt in Privatgärten und Kleingärten weiter verringern.

Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird entscheiden, ob kleine Saatguthersteller unter bezahlbaren Bedingungen weiterarbeiten können. Werden die strengeren Regeln verabschiedet, könnten seltene und traditionelle Pflanzensorten bald nur noch schwer zu finden sein. Gärtner und lokale Initiativen warten nun gespannt darauf, wie die endgültige Verordnung industrielle Standards mit dem Schutz der Artenvielfalt in Einklang bringen wird.

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