16 March 2026, 06:18

Missbrauchsopfer im Erzbistum Paderborn fordern mehr Gerechtigkeit und langfristige Hilfe

Ein Buch mit Bildern und Texten, die die Geschichte der Katholischen Kirche dokumentieren, einschließlich Fotos von Kircheninnenräumen, Gängen und erhaltenen Artefakten.

Missbrauchsopfer im Erzbistum Paderborn fordern mehr Gerechtigkeit und langfristige Hilfe

Missbrauchsopfer im Erzbistum Paderborn fordern konsequentere Maßnahmen von Kirchenvertretern

Bei einer kürzlichen Veranstaltung in Dortmund haben rund 200 Katholiken über Entschädigungsleistungen, Rechenschaftspflicht und Unterstützung für Betroffene von historischen Verstößen diskutiert. Erzbischof Udo Markus Bentz bestätigte, dass die meisten Opfer bereits finanzielle Zahlungen erhalten hätten.

Das Treffen in Dortmund bildete den Auftakt eines zweitägigen Dialogs, weitere Gesprächsrunden sind in Schmallenberg und Rheda-Wiedenbrück geplant. Viele Betroffene berichteten von den langfristigen Folgen des Missbrauchs, darunter tiefe Schuldgefühle, die mit der kirchlichen Sexualmoral verbunden sind. Ein Teilnehmer schlug vor, das Erzbistum solle ein Prozent seines Vermögens für Wiedergutmachungszahlungen und lebenslange Renten für die Opfer bereitstellen.

Zur Aufarbeitung der Vergangenheit wurden zudem neue Schritte eingeleitet: Auf den Gräbern von in Missbrauchsfälle verwickelten Bischöfen finden sich nun QR-Codes, die zu Informationen über ihr Leben und Fehlverhalten verlinken. Gemeinden werden ermutigt, das Thema offener anzugehen – vorgeschlagen wurde, einen Sonntag nahe dem 18. November, dem Gebetstag für Opfer sexueller Gewalt, der Reflexion zu widmen.

Eine Studie der Universität Paderborn, veröffentlicht am 12. März 2026, untersuchte Missbrauchsfälle zwischen 1941 und 2002 im Erzbistum. Dabei wurden 485 Opfer und 210 beschuldigte Kleriker identifiziert. Seit 2002 gab es jedoch keine Verurteilungen von Bischöfen oder Geistlichen wegen Übergriffen auf Minderjährige oder schutzbedürftige Erwachsene. Ein zweiter Bericht zu den Jahren 2002 bis 2022 steht noch aus.

Erzbischof Bentz erklärte, dass 75 bis 80 Prozent der Betroffenen bereits Entschädigungen erhalten hätten. Dennoch fordern Opfer wie Michael Heltner bessere finanzielle Unterstützung und langfristige psychologische Betreuung.

Das Erzbistum hat zwar Schritte zur Aufarbeitung unternommen – von Zahlungen bis zu öffentlichen Anerkennungen. Doch die Betroffenen bestehen darauf, dass noch mehr getan werden muss, um volle Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Hilfe zu gewährleisten. Der anstehende Bericht zu den Jahren 2002 bis 2022 könnte weitere Klarheit über jüngere Fälle bringen.

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