Marathon-Theater: Warum Zuschauer sieben Stunden auf der Bühne ausharren
Edeltrud WagnerMarathon-Theater: Warum Zuschauer sieben Stunden auf der Bühne ausharren
Deutsches Theater und die Kunst der Marathon-Aufführungen
Das deutsche Theater ist seit langem für seine ausufernden Inszenierungen bekannt, die die Grenzen der Zuschauerausdauer ausloten. Das diesjährige Berliner Theatertreffen unterstreicht diesen Trend erneut mit Stücken, die weit über die übliche Spieldauer hinausgehen. Tickets für diese monumentalen Produktionen sind begehrt und oft trotz ihrer anspruchsvollen Länge schnell ausverkauft.
Die Tradition extrem langer Theaterabende reicht Jahrzehnte zurück. Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen 1999 setzte mit einer zwölftündigen Aufführung früh einen Maßstab. In jüngerer Zeit hielt das Schauspielhaus Bochum 2023 das Publikum mit Die Brüder Karamasow sieben Stunden lang in den Sitzen. Und auch Der große Gatsby beim Wiener Festwochen 2007 entfaltete sich über sieben Stunden – ein Beweis dafür, dass solche ambitionierten Projekte nicht auf Deutschland beschränkt sind.
Das diesjährige Theatertreffen (1. bis 17. Mai) präsentiert mit Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen der Münchner Kammerspiele eine siebenstündige Produktion, die bereits großes Aufsehen erregt und deren Karten rasant vergriffen sind. Auch die Berliner Volksbühne bereitet eine Neuauflage von Peer Gynt vor, dessen erste Teile in der Originalinszenierung bereits acht Stunden dauerten.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte das Phänomen erstmals 2007. Seither sind Marathon-Aufführungen ein fester Bestandteil des Festivals. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein offizielle Spieldauern nicht, doch der Trend zeigt keine Ermüdungserscheinungen.
Die Beliebtheit dieser langen Stücke deutet auf eine starke Nachfrage nach immersiven Theatererlebnissen hin. Mit Produktionen wie Wallenstein oder Peer Gynt, die Publikumsmagnete sind, bleibt die Tradition epischen Erzählens auf der Bühne lebendig. Theater experimentieren weiter mit der Zeit und loten aus, wie weit Zuschauer für ein unvergessliches Erlebnis zu gehen bereit sind.






