Räumung des "Kleinen Sündenwalds" entfacht neue Konflikte um Braunkohle und Naturschutz
Wieslaw JähnWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Räumung des "Kleinen Sündenwalds" entfacht neue Konflikte um Braunkohle und Naturschutz
Die Polizei hat damit begonnen, den "Kleinen Sündenwald" in der Nähe des Tagebaus Hambach in Nordrhein-Westfalen zu räumen. Die Aktion startete am Dienstagmorgen, nachdem ein Gerichtsurteil vom Januar die Abholzung der Bäume ab dem 1. Oktober erlaubt hatte. Der Schritt hat die Debatten über Bergbau, Naturschutz und die Zukunft der Region neu entfacht.
Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte die Rodung des Waldes bereits Anfang dieses Jahres genehmigt. Der Energiekonzern RWE, der hinter dem Vorhaben steht, behauptet, der abgebautene Kies sei essenziell, um die Uferbefestigungen künftiger Seen zu stabilisieren. Diese Seen sollen im Rahmen des regionalen Plans entstehen, ehemalige Tagebaue nach dem Ende des Braunkohleabbaus bis 2030 zu fluten.
Kritiker, darunter der Umweltverband BUND NRW, werfen dem Unternehmen vor, der Wald werde unnötig geopfert. Sie argumentieren, es gebe alternative Lösungen, und stellen infrage, ob das Material tatsächlich für den Dammbau benötigt werde. Seit der Gerichtsentscheidung wurden keine offiziellen Genehmigungen für den Abbau von Sand und Kies erteilt, und es gibt keine dokumentierten Pläne, wie die Materialien konkret verwendet werden sollen.
Der Kleine Sündenwald, ein kleineres Waldstück östlich des Hambacher Forstes, liegt in einer Landschaft, die bereits durch Jahrzehnte des Braunkohleabbaus gezeichnet ist. Tiefe Krater früherer Abgrabungen erinnern an eine öde, mondähnliche Oberfläche. Während RWE betont, die Räumung diene der Sicherheit, vermuten Gegner kommerzielle Interessen – etwa ein geplanter Yachthafen – hinter der Entscheidung.
Für viele erinnert die Räumung an frühere Konflikte um den Hambacher Forst. Damals besetzten Aktivisten die Bäume, um die Erweiterung des Tagebaus zu stoppen, und die aktuelle Aktion hat diese Spannungen wieder an die Oberfläche gebracht.
Die Rodung des Waldes wird wie geplant fortgesetzt. RWE versichert, alle rechtlichen Auflagen seien erfüllt. Der Ausstieg Nordrhein-Westfalens aus der Braunkohle bis 2030 bleibt auf Kurs, während ehemalige Abbaugebiete in Seen umgewandelt werden sollen. Das Schicksal des Kleinen Sündenwalds jedoch ist durch das Gerichtsurteil bereits besiegelt.






