Von "Dodel" zur radikalen Freundlichkeit: Österreichs Schimpfkultur im Wandel
Ariane RosenowVon "Dodel" zur radikalen Freundlichkeit: Österreichs Schimpfkultur im Wandel
Österreichs kreative Schimpfkultur: Von „Dodel“ bis zur „radikalen Freundlichkeit“
Österreich verfügt über einen beeindruckenden Wortschatz an Beleidigungen – über 50 Begriffe allein für „Idiot“, darunter Klassiker wie „Dodel“, „Wappler“ oder „Vollkoffer“. Die Kultur des Landes vergleicht das Fluchen gar mit einer Energiequelle oder einer Art Yoga. Besonders auf der Autobahn, wenn Langsamfahrer die Geduld strapazieren, blüht die österreichische Kreativität in Sachen Schimpfwörter auf. Doch ein aktuelles Buch schlägt nun einen ganz anderen Umgang mit Frust vor.
Statt zu schimpfen, empfiehlt die Autorin, sich selbst als „kognitiven Minimalisten“ zu bezeichnen – und Ärgernisse mit Freundlichkeit zu begegnen. Der Titel des Werks, „Radikale Freundlichkeit“, wirkt fast wie ein Fremdkörper in einer Kultur, die ihr kraftvolles Schimpfen liebt. Doch die Botschaft ist klar: mehr Selbstmitgefühl, mehr Gelassenheit im Umgang mit Alltagsärger.
Damit stellt die Autorin die österreichische Tradition des expressiven Fluchens infrage. Wo andere zu kreativen Beleidigungen greifen, plädiert sie für einen sanfteren Weg – ein Kontrastprogramm zu einer Kultur, die ihre Vorliebe für derbe Sprache längst als Eigenheit feiert.






