02 April 2026, 22:18

Wie die Bundeswehr 1956 trotz Massenprotesten und politischer Kämpfe entstand

Schwarzes und weißes Foto von Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs eine von Bäumen gesäumte Straße in Berlin entlangmarschieren, mit Mützen und Gewehren, sowie Gebäuden und einem Pfahl im Hintergrund.

Wie die Bundeswehr 1956 trotz Massenprotesten und politischer Kämpfe entstand

Die Gründung der Streitkräfte Westdeutschlands in den 1950er-Jahren löste jahrelange hitzige Debatten und öffentlichen Widerstand aus. Was als Diskussionen während des Koreakriegs begann, entwickelte sich zu einem zermürbenden politischen Machtkampf mit Massenprotesten und juristischen Auseinandersetzungen um die Wiederbewaffnung. 1956 wurde die Bundeswehr offiziell gegründet – doch die Kontroversen darüber blieben bestehen.

Die Idee eines "deutschen Verteidigungsbeitrags" kam erstmals 1950 auf, als der Koreakrieg Ängste vor einem globalen Konflikt schürte. Ein Jahr später schlug die Regierung ein Volksbegehren zur Wiederbewaffnung vor, das jedoch vom Innenministerium verboten wurde. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine Jugendorganisation, die sich gegen die militärische Aufrüstung wandte, verboten.

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Der Widerstand wuchs weiter. 1951 beteiligten sich über 100.000 Arbeiter an Streiks gegen die Remilitarisierung, gefolgt von Schulstreiks mit 40.000 bis 50.000 Schülern. Die Aussicht, dass deutsche Soldaten in einer europäischen Armee dienen könnten, heizte die Empörung zusätzlich an.

Trotz des Widerstands schritten die Pläne voran. Am 12. November 1955 berief Theodor Blank – später erster Verteidigungsminister – offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere. Der Name Bundeswehr wurde erst am 1. April 1956 eingeführt. Bis dahin war im Juli 1955 nach erbitterten Parlamentsdebatten die Wehrpflicht beschlossen worden.

Die ersten Freiwilligen traten im Januar 1956 ihren Dienst an und markierten damit den offiziellen Beginn der Bundeswehr. Doch die Proteste rissen nicht ab und gipfelten 1957 im Göttinger Manifest, das von 18 führenden Wissenschaftlern unterzeichnet wurde und sich gegen die atomare Bewaffnung der neuen Armee richtete.

Die Bundeswehr entstand in einer Zeit tiefer gesellschaftlicher Spaltung, und die Proteste hielten auch in ihren Anfangsjahren an. Das Manifest von 1957 und die anhaltenden Demonstrationen zeigten, dass sich der Widerstand gegen die Wiederbewaffnung nicht mit ihrer gesetzlichen Verankerung erledigt hatte. Die Gründung des Militärs prägte die Rolle Westdeutschlands im kalten Kriegseuropa neu – doch um den Preis anhaltender politischer Spannungen.

Quelle