Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit und politische Einmischung eskaliert
Edeltrud WagnerOffener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit und politische Einmischung eskaliert
An der Kunstakademie Düsseldorf hat eine hitzige Debatte über die akademische Freiheit begonnen, nachdem Rektorin Donatella Fioretti für ihre Einladung an die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif in die Kritik geriet. Der Streit entzündete sich im Januar 2026, als Vorwürfe des Antisemitismus laut wurden, was zu Forderungen nach Absage der Veranstaltung und sogar nach Fiorettis Rücktritt führte. Zwar blieb die Auseinandersetzung weitgehend auf Düsseldorf beschränkt, doch spitzte sie sich am 16. März weiter zu, als über 1.100 Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Kulturschaffende einen offenen Brief unterzeichneten, in dem sie Fioretti verteidigten und vor politischer Einmischung in Universitäten und Kunstinstitutionen warnten.
Auslöser der Kontroverse war al-Sharifs geplanter Auftritt an der Akademie, der Antisemitismus-Vorwürfe nach sich zog. Kritiker:innen, darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister und Vertreter der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, forderten die Absage der Veranstaltung sowie Fiorettis Rücktritt. Trotz des Gegenwinds kam eine juristische Prüfung zu dem Schluss, dass al-Sharifs Äußerungen keine Gesetze verletzten und vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt seien. Aufgrund von Sicherheitsbedenken fand die Veranstaltung jedoch nur intern und mit eingeschränktem Zugang statt.
Als Reaktion veröffentlichte eine Gruppe von über 1.100 prominenten Unterzeichner:innen – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser sowie die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger – einen Solidaritätsbrief mit Fioretti. Die Unterzeichnenden beriefen sich auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre schütze – selbst bei umstrittenen Positionen. Sie kritisierten den von der rechtspopulistischen AfD geprägten Begriff des "Deckmantels" der Kunstfreiheit, der nahelege, dass diese Freiheiten missbraucht werden könnten, um schädliche Absichten zu verschleiern.
Der Brief warnte zudem davor, dass politischer Druck auf institutionelle Verantwortungsträger:innen ein gefährliches Präzedenzfall schaffen könnte, das die Unabhängigkeit von Universitäten und Kultureinrichtungen untergräbt. Die Autor:innen forderten die Politik auf, sich klar zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu bekennen. Unterdessen soll Fioretti an diesem Mittwoch vor einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtages aussagen.
Bisher bleibt der Konflikt auf Düsseldorf beschränkt; von ähnlichen Auseinandersetzungen an anderen deutschen Kunst- oder Hochschulinstitutionen ist nichts bekannt. Der offene Brief unterstreicht jedoch die weitverbreitete Sorge vor einer möglichen politischen Einflussnahme auf die akademische und künstlerische Freiheit. Fiorettis anstehende Anhörung wird die Debatte über Meinungsfreiheit und institutionelle Autonomie voraussichtlich weiter in der Öffentlichkeit halten.