16 March 2026, 14:19

"Was ist los mit Karsten?" – wie ein Diabetes-Anfall zum Kult-Meme wurde

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes mit ernstem Gesichtsausdruck, mit dem Text "Seneg Verletzter französischer Gefangener unter deutscher Herrschaft" oben.

"Was ist los mit Karsten?" – wie ein Diabetes-Anfall zum Kult-Meme wurde

Karsten Wöllner – der Mann hinter dem berüchtigten "Was ist los mit Karsten?"-Meme – hat in einem neuen Interview seine Sicht der Dinge geschildert. Der virale Clip, der 2007 erstmals ausgestrahlt wurde, zeigte, wie er während eines TV-Auftritts gegen eine Wand lief – ein Moment, der später im Netz verspotten wurde. Jahre danach blickt er nun auf den Vorfall, seine Gesundheit und die unerwarteten Auswirkungen zurück, die das Meme auf sein Leben hatte.

Doch das Meme selbst hat eine ambivalente Geschichte. Es erlebte 2008 einen Hype, geriet in den 2010er-Jahren in Vergessenheit und tauchte auf TikTok als nostalgischer Humor wieder auf – oft kritisiert, weil es eine medizinische Notlage verharmloste.

Der ursprüngliche Vorfall ereignete sich 2007 in der deutschen Sendung "Wildes Wohnzimmer". Wöllner, der an Diabetes erkrankt ist, sprach über seine Krankheit, als sein Blutzucker plötzlich abfiel. Orientierungslos stolperte er und prallte gegen eine Wand. Die Aufnahme wurde später mit übertriebenen Reaktionen unterlegt, wodurch aus einem ernsten Moment ein Witz wurde. Das Meme verbreitete sich rasant und inspirierte bereits 2008 unzählige Remixe und Parodien.

In dem Interview enthüllte Wöllner, dass er das Team vor den Dreharbeiten über seinen Diabetes informiert hatte. Er bedauert, dass dieser Kontext in der bearbeiteten Version fehlt – vielleicht hätte das die Wahrnehmung des Clips verändert. Zwar half ihm das Produktionsteam nach dem Sturz und zeigte ihm das Rohmaterial vor der Ausstrahlung, doch der Schaden war angerichtet, sobald die geschnittene Fassung lief.

Jahre lang empfand Wöllner das Meme als belastend, besonders als Schüler es nachahmten und eine Gruppe sogar vorgab, Anwälte zu sein, die seine Löschung forderten. Mit der Zeit jedoch arrangierte er sich damit. Sein größtes Bedauern? Dass er die virale Reichweite nicht nutzte, um über Diabetes aufzuklären. Er glaubt, die Aufmerksamkeit hätte anderen helfen können, die Anzeichen von Unterzucker zu erkennen.

Die kulturelle Wirkung des Memes beschränkte sich nicht auf Wöllner. Es wurde Teil eines größeren Musters in den deutschen Medien, bei dem diabetesbedingte Vorfälle gelegentlich Schlagzeilen machten. 2012 offenbarten der Komiker Oliver Pocher im Fernsehen seine Diagnose. 2018 verarbeitete Bülent Ceylan seinen Typ-2-Diabetes in Comedy-Sketchen. Zuletzt kollabierte im März 2024 die "Let's Dance"-Teilnehmerin Maria Maksina live in Köln aufgrund eines diabetesbedingten Anfalls – und entfachte erneut Debatten darüber, wie solche Momente dargestellt werden.

Selbst über Deutschland hinaus hatte das Meme ein seltsames Nachleben. 2023 trat "Bread the Bread", eine skurrile deutsche Kultfigur, in einer US-Late-Night-Show auf und begeisterte das Publikum. Der Kontrast zeigte, wie manche viralen Momente als Humor Grenzen überwinden, während andere – wie Wöllners – eine schwerere Last tragen.

Wöllners Geschichte bleibt ein seltener Fall, in dem eine persönliche Gesundheitskrise zur globalen Unterhaltung wurde. Die Wiederbelebung des Memes auf Plattformen wie TikTok in den 2020er-Jahren bewies seine Langlebigkeit, doch es folgten auch Diskussionen über Ableismus und Ausbeutung. Wöllner selbst blickt heute gelassener auf die Erfahrung zurück und hofft, dass andere daraus lernen.

Sein Interview erinnert daran, dass hinter viralen Momenten echte Menschen stehen – etwas, das oft in Vergessenheit gerät, sobald die Witze die Oberhand gewinnen.

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