Bottrop protestiert mit Tanz und Musik gegen Femizide und Partnergewalt
Uta PatbergBottrop protestiert mit Tanz und Musik gegen Femizide und Partnergewalt
Rund 80 Menschen trotzten am 14. Februar 2026 eisigen Temperaturen und leichtem Schneefall, um sich am Ernst-Wilczok-Platz in Bottrop zu versammeln. Die Veranstaltung markierte die elfte Auflage der jährlichen One Billion Rising-Demonstration, organisiert vom Frauenzentrum Courage, um gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu protestieren. Das diesjährige Motto Ni una menos – Women on fire lenkte den Blick auf Femizide, insbesondere auf Tötungen durch aktuelle oder ehemalige Partner.
Die Kundgebung umfasste Live-Musik der Band A Mournful Experience sowie Tanzperformances, choreografiert von der Peter Frank Dance School. Neben Aktivistinnen nahmen auch lokale Amtsträger teil, darunter Oberbürgermeister Matthias Buschfeld, Schul- und Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert sowie die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Lehmann.
In Deutschland hat die politische und öffentliche Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Die Zahl der Femizide erreichte 2023 fast einen Fall pro Tag, während Studien wie LeSuBiA (2023–2025) das Ausmaß nicht gemeldeter Übergriffe offenlegten. Interessenverbände, darunter der Landesfrauenrat Baden-Württemberg, drängen auf strengere Maßnahmen im Rahmen des seit 2018 geltenden Übereinkommens von Istanbul. Kommunale Initiativen umfassen inzwischen spezialisierte Koordinierungsstellen, Schulungsprogramme an Schulen und Projekte wie SAFE von TERRE DES FEMMES. Dennoch bleibt die Umsetzung bundesweit uneinheitlich.
Die Bottroper Demonstration unterstrich die anhaltende Forderung nach besserer lokaler Unterstützung. Aktivistinnen verlangten einen Ausbau psychosozialer und medizinischer Beratungsangebote, verbesserte Polizeiausbildung sowie gezielte Programme in Jugendämtern zur Gewaltprävention.
Die Veranstaltung in Bottrop bekräftigte die langjährigen Appelle für strukturellen Wandel. Angesichts steigender Femizid-Zahlen und uneinheitlicher Politikumsetzung betonten die Organisatorinnen die Dringlichkeit nachhaltiger Maßnahmen. Die Kundgebung endete mit einem erneuten Aufruf zu konkreten Schutzmaßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
