Deutschlands Eschen sterben seit 20 Jahren – und der Wald kämpft ums Überleben
Wieslaw JähnErholungsdestination, Traumziel, Geduldig - Was gut für den Wald ist - Deutschlands Eschen sterben seit 20 Jahren – und der Wald kämpft ums Überleben
Bundesländer Deutschlands Eschen sterben seit 20 Jahren massenhaft ab
Seit zwei Jahrzehnten erleben Deutschlands Eschen einen verheerenden Rückgang, verursacht durch eine Pilzkrankheit. Das sogenannte Eschensterben – wissenschaftlich als Ash-Dieback bekannt – wurde 2002 erstmals in Deutschland nachgewiesen, nachdem es sich aus Ostasien über Osteuropa ausgebreitet hatte. Seither hat die Krankheit ganze Eschenbestände vernichtet und die Wälder in allen Bundesländern schwer geschwächt.
Der Klimawandel und veränderte Wetterbedingungen verschärfen die Lage zusätzlich: Langanhaltende Dürreperioden und übermäßige Feuchtigkeit setzen nicht nur den Eschen, sondern auch Fichten und Buchen zu. Experten warnen, dass die Wälder der Zukunft ohne Gegenmaßnahmen ganz anders aussehen könnten als heute.
Der Pilz Hymenoscyphus fraxineus gelangte 2002 nach Deutschland und verbreitete sich rasant im ganzen Land. Mittlerweile sind nahezu alle Gemeinen Eschen (Fraxinus excelsior) betroffen, viele Bestände sind bereits vollständig verloren. Zwischen 2018 und 2020 zeigte sich zwar eine vorübergehende Erholung der Baumkronen – bedingt durch ungewöhnlich warme, trockene Sommer –, doch Forscher sehen keinen langfristigen Rückgang der Krankheit. Nur wenige Eschen weisen eine leichte Resistenz auf, was wenig Hoffnung auf eine natürliche Genesung macht.
Besonders stark betroffen ist Mitteldeutschland, wo auch Fichten und Buchen unter Schädlingen und Krankheiten leiden. Der Eichen-Prozessionsspinner etwa schadet nicht nur den Eichen, sondern stellt auch ein Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die Bedingungen: Unberechenbare Niederschläge führen zu anhaltenden Dürren oder staunassen Böden – beides schadet der Gesundheit der Bäume.
In Nordrhein-Westfalen bleiben die Wälder trotz aller Probleme ein beliebtes Naherholungsziel, besonders im Sauerland, wo das allgemeine Betretungsrecht viele Besucher anzieht. Durch den Boom von E-Bikes und Mountainbikes dringen Menschen tiefer in die Wälder vor, was zu Schäden führt, wenn Wege ignoriert werden. Forstexperten betonen, dass gezielte Eingriffe nun unverzichtbar sind – auch wenn es dagegen Widerstände gibt.
Um die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu stärken, empfehlen Fachleute eine Durchmischung der Bestände, etwa durch das Pflanzen von Laubbäumen in Fichten-Monokulturen. Zudem sollten Baumarten gewählt werden, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind – notfalls auch aus Regionen, die einige hundert Kilometer entfernt liegen. Ohne solche Anpassungen könnten künftige Baumgenerationen kaum älter als 40 oder 50 Jahre werden – ein Bruchteil der einst üblichen Lebenserwartung von 100 Jahren und mehr.
Die kombinierten Bedrohungen durch das Eschensterben, den Klimawandel und den Freizeitdruck verändern Deutschlands Wälder grundlegend. Ohne proaktives Management – einschließlich vielfältiger Aufforstung und strengerer Wegeregelungen – wird sich der Zustand vieler Waldgebiete weiter verschlechtern. Das Überleben der Wälder der Zukunft hängt nun von schnellem und zielgerichtetem Handeln ab, um diesen wachsenden Herausforderungen zu begegnen.
